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Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen
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mctech

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Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 23.07.22 21:52
Modifiziert am 23.7.22 21:55

Ich habe gestern die originale Variomatik gegen die Malossi Multivar 2000 (Nr. 5119126) getauscht und wollte Euch das Vorgehen, das benötigte Equipment und meine „Er-Fahrungen“ damit mitteilen.
Grundsätzlich ist der Aufbau der Vario und der hinteren Gegensacheibe baulich vergleichbar mit der 350er Vorgängerin. Wer damit schon Erfahrung hat, kann das Wissen 1:1 übernehmen.
=> Bei YouTube gibt es unter „Malossi Variator Kit Installation for Piaggio BV350“ ein schönes Tutorial-Video, das man, bis auf ein paar Schräubchen am Deckel, 1:1 auf die neuen 300/400 HPE-Modell übernehmen kann. Ist zwar in Englisch, sollte aber trotzdem einleuchten.
Die ganze Arbeit ist für versierte Handwerker innerhalb einer Stunde locker zu schaffen, sofern alles Werkzeug vorhanden ist. Verfällt man vom Bauen jedoch ins Basteln oder ins Suchen, wird es nervig und dauert natürlich entsprechend länger.
Da ich diese Arbeiten alleine ausgeführt habe, hatte ich mir im Vorfeld bereits Gedanken über den Ausbau der hinteren Gegendruckfeder gemacht und im Kopf schon ein Spezialwerkzeug vorbereitet, das ich mit während der Umbauarbeiten dann angefertigt habe (vorher anfertigen ging leider noch nicht, da der Außendurchmesser des Federbechers der Gegendruckfeder nicht bekannt war). Es geht hier um ein „Lochblech“ zur Wiedermontage der 46mm Mutter der hinteren Gegendruckfeder. Im Tutorial wird dies mit einer 2. Person gemacht, das geht natürlich auch, sofern man jemanden dafür hat.
Zur Herstellung habe ich ein ca. 25cm langes Reststück einer steifen Alu-Auffahrrampe für Motorräder genommen (hatte ich noch herumliegen) und mittig ein etwa 85mm großes Loch ausgebohrt. Dieses „Lochblech“ kann man dann über die Federbecher stülpen, auf einem Stuhl sitzend mit beiden Füßen die Feder zusammendrücken und hat dann beide Hände frei um die Mutter aufzuschrauben. Das hat bei mir super und auf Anhieb geklappt.
Lest diesen Bericht bitte bis zu Ende, denn dort kommen noch ein paar wichtige Infos zur besseren Abstimmung.

1.) Was man so alles benötigt:
- für einfacheres Merken von Details ein Handy mit Fotofunktion
- einen handelsüblichen Ratschensatz (mit den Nüssen/Steckschlüsseln 8mm, 10mm, 15mm, 21mm und 46(!)mm, Torx 30)
- einen Drehmomentschlüssel bis min. 180Nm
- ein Haltewerkzeug für die Vario (das bekannte „Scheren“werkzeug)
- ein 84mm-Lochblech (Eigenbau, wie beschrieben!) oder eine 2. Person für die Montage der Gegendruckfeder
- Schraubensicherungsmittel Mittelfest
- ein Schlagschrauber mit dem o.a. Steckschlüssel 46mm
=> Ein starker Akkuschrauber mit den oben aufgeführten Steckschlüsseln erleichtert das Vorgehen, ist aber nicht unbedingt nötig, denn alles kann mit etwas mehr Zeitaufwand auch per Hand gemacht werden


Meine Vorgehensweise (wie im Video; Arbeiten am kalten Motor ist sinnvoll):
- Beverly auf den Hauptständer
- mit dem 30er Torx die 4 Torxschrauben vom Kunststoffdeckel am Variokasten abschrauben, dann diesen abnehmen
- mit dem 15mm Steckschlüssel die Schraube der Welle hinten herausschrauben und samt der Unterlegscheibe ordentlich aufbewahren
- mit dem 8mm Steckschlüssel die Schrauben des Variodeckels und Luftfilterkasten herausschrauben (evtl. mit einer Spitzzange herausziehen) => Alle Schrauben des Variodeckels rundherum sind gleich, hier kann man nichts verwechseln. Die Halteschrauben des Luftfilterkastens sind etwas anders, darauf bitte unbedingt achten, auch wo diese hingehören (evtl. Fotos machen)!
- mit dem 10mm Steckschlüssel die zentrale Halteschraube des Vaiodeckels herausschrauben
- dann den Variodeckel abnehmen, dazu den Luftfilterkasten etwas anheben
- nun mit dem Haltewerkzeug die Vario blockieren und entweder mit Ratsche oder Schlagschrauber mit 21mm Steckschlüssel die Variomutter lösen, aber per Hand vorsichtig herausdrehen und mit den Unterlegscheiben genau so abnehmen und auch in dieser Konstellation und Position zusammen lassen(!)
- die vordere Riemenscheibenhälfte der Vario abziehen
- die Distanzscheibe vor der Lagerhülse abnehmen => merken, wo diese Distanzscheibe hingehört (ggf. Foto machen)
- den Riemen samt Riemenscheibe (am Hinterrad) herausnehmen
- die Vario-Lagerhülse herausziehen (diese sah bei mir nach nur knapp 8.000km schon recht „verbrannt“ aus)
- mit den 2 Mittelfingern hinter die Vario greifen, mit den Daumen dagegenhalten und die Vario samt der dahinterliegenden Gegenplatte abziehen => merken wie alles zusammen ist, ggf. schrittweise Fotos machen
- die Gegenplatte wird auch für die Malossi Vario benötigt, also mit Bremsenreiniger sauber machen und tocknen
- die originalen gegen die 4 Malossi Kunststoff Gleitbacken ersetzen
- die 8 Malossi Variogewichte in die Malossi Vario einsetzen (Richtung egal, nicht schmieren!) => Zum Thema Gewichte die Infos am Ende lesen!

So, und nun widmen wir uns der Gegendruckfeder. Diese mit der Riemenscheine flach auf den Boden legen. Am Federbecher sind 2 kleine „Flügel“, diese rechts und links gleichzeitig mit beiden Füßen und festem Schuhwerk einklemmen. Die Stellung der Mutter sollte ab Werk mit Stift markiert sein. Falls nicht, diese entsprechend markieren (damit weiß man, wie stark diese nachher wieder zugedreht werden muss). Dann den Schlagschrauber mit der 46mm Nuss ansetzen und die Mutter abschrauben. Die Feder hat keinen so starken, dass das etwas passieren kann. Diese „ploppt“ dann nur ca. 5cm hoch.
Die Feder entnehmen und ohne weitere Arbeiten durch die Malossi-Feder ersetzen. Um die Mutter wieder aufzudrehen kommt jetzt das besagt Lochblech oder die 2. Person zum Einsatz. Etwas Schraubensicherungsmittel auf das Gewinde, die Feder zusammendrücken, den Federbecher wieder ausrichten und die Mutter per Hand sauber etwas aufdrehen. Dann mit dem Schlagschraube die Mutter wieder bis zur Markierung festdrehen.

=> Zur Montage einfach die o.g. Schritte wieder Rückwärts ausführen. Vor dem Festschrauben, wenn soweit alles wieder zusammen ist, kommt auf das Gewinde der Vario auch etwas Schraubensicherungsmittel. Die Mutter dann aufdrehen und festdrehen. Mit einem Drehmomenschlüssel dann mit 175Nm anziehen.
Den Variodeckel wieder aufstecken und mit der Zentralschraube fixieren. Die Schraube der hinteren Achse auch mit etwas Schraubensicherungsmittel betropfen und eindrehen. Dann mit 100Nm Drehmoment festziehen, ggf. dazu das Hinterrad durch die Speichen mit einem Holz blockieren. Alle Schrauben wieder rein, Luftfilterkasten befestigen, Variodeckelverkleidung wieder montieren und fertig.
War doch ein Klacks, oder?


So, nun zu den versprochenen Informationen aus eigener „Er-Fahrung“:

Beim o.g. Malossi-Kit sind Vario-Gewichte mit (abgewogenen) 10 Gramm (GR.10) beigelegt. Damit, und in Verbindung mit der stärkeren Gegendruckfeder, verschiebt Malossi den Drehzahlbereich des Motors nach oben in einen Bereich mit höherem Drehmoment, um dadurch eine bessere Beschleunigung zu erreichen. Dies ist Malossi auch, aus sportlicher Sicht, gut gelungen. Man meint aber kurz nach dem Losfahren immer, man müsste jetzt mal langsam in den „2. Gang“ schalten. Klar, man ist ja noch die originale Vario mit ihren 18,5 Gramm schweren Gewichten und der schwächeren Gegendruckfeder gewohnt, welche den Motor immer schön im Drehzahlkeller gehalten haben (wahrscheinlich um die strengen Emissionsauflagen besser einhalten zu können).
Mit der Malossi Multivar wird der Motor von unten heraus wesentlich Drehzahlfreudiger und agiler, aber halt auch während der Ruhezeiten in Wohngebieten hörbarer. Und auch bei kaltem Motor, wenn dieser noch keine hohen Drehzahlen mag, liegt man bei 40km/h schon bei ca. 4.200U/min. anstatt wie zuvor bei knapp 3.500U/min. Man hat hier halt nicht die Möglichkeit, noch etwas untertourig in den „2. Gang“ zu schalten, das regelt eine Vario über die Gewichte eben automatisch. Hier hat Malossi die sportlichste Abstimmung ausgetestet und eben die leichten 10 Gramm Gewichte beigelegt. Diese Abstimmung hat mir persönlich nicht so gut gefallen und ist mir ein wenig zu nervig bei gemütlicher Fahrweise.
Ich persönlich halte die optional von Malossi erhältlichen Gewichte mit 14 Gramm (GR.14) für eine sinnvolle Alternative, um die Drehzahl wieder etwas zu senken und damit einen Kompromiss aus beiden Welten zu erreichen. Soweit meine Theorie, also habe ich heute die Vario nochmal ausgebaut und die Gewichte vermessen.

Da ich die Gewichte mit 14 Gramm leider nicht zu Hand hatte fuhr ich zum nächsten Baumarkt und holte mir ein 15mm Kupferrohr aus dem Heizungsbau. Von diesem habe ich mir 8 Stücke a´ 12mm abgesägt, entgratet, geschliffen, mit 3,5 Lagen Teflonband umwickelt und dann in die 10 Gramm Gewichte von Malossi eingedrückt. Damit bin ich dann genau auf jeweils 14,2 Gramm pro Rolle gekommen (sowas hatte ich zuvor auch schon gemacht, das funktioniert auch über Jahre genau so gut wie gekaufte Rollen).
Alles wieder zusammengebaut und auf zur Probefahrt. Ich kann nur sagen, einfach genial. Der Motor ist damit bei langsamer Fahrt nicht mehr so nervig und trotzdem kommt beim Beschleunigen fast schon Motorradfeeling auf. Der Motor wirkt wesentlich erwachsener und es fühlt sich so an, als ob der Roller beim Drehen am Gasgriff nun einen Gang herunterschaltet um dann kraftvoll loszuspurten. Bis 130km/h bleibt die Drehzahl dann bei 6.500U/min. konstant und erst dann dreht er weiter hinauf. Am Berg und aus Kurven heraus ist der Schub spürbar besser.

Mein Tipp also lautet:
Wer sich eine Multivar 2000 in die 400 Berverly einbauen will, kauft gleich auch die 14 Gramm Rollen mit dazu. Die kosten zwar 32€ extra, es lohnt sich aber auf jeden Fall.



Allzeit gute Fahrt und bleibt gesund....

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Steinbacher

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PM an Steinbacher

Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 24.07.22 11:04

Danke für Deinen Bericht. Dass Malossi zu leichte Rollen beilegt, hatte ich auch bei meinem letzten Honda-Umbau, da bin ich letztlich auch 5g höher gegangen.

Ich finde es bei Vario-Arbeiten immer hilfreich, vorher-nachher-Werte zu ermitteln zu Beschleunigung und Beschleunigungsdrehzahl.

Was mich im Nachhinein immer nervt (hab auch schon etliche Malossi-Sätze verbaut): Eigentlich weiß man nie so richtig, ob nur mit leichteren Gewichten in der Serien-Vario vergleichbare Werte herausgekommen wären.

Deshalb werde ich bei der Beverly diesmal tatsächlich erst einmal die Serienvariomatik mit entsprechenden Rollen anpassen, evtl. auch Dr.Pulley ausprobieren und zum Schluss eine Malossi-Vario verbauen. Und jedes Mal die Ergebnisse protokollieren.


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leverby

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PM an leverby

Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 26.07.22 15:23

Passen eigentlich die Pulley-Gewichte in/zu die/der Malossi-Multivar?
Der Hintergrund ist,- die Malossirollen nutzen sich ziemlich schnell ab (laufen eckig) und machen dann unangenehme Geräusche, wie "Klackern" im Leerlauf.



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Ralf

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mctech

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PM an mctech

Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 26.07.22 15:35

Da die Malossi-Rollen die gleichen Abmessungen haben wie die originalen Rollen, sollten auch die von Pulley passen.
Ich hatte dies auch mal für eine Multivar 2000 für einen 125er Roller bei Pulley angefragt. Die sagten, dies wäre kein Problem.



Allzeit gute Fahrt und bleibt gesund....

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leverby

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PM an leverby

Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 27.07.22 13:20

Hi mctech,-

das ist sehr gut. Danke für die Info.



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Grüße aus der Stadt mit K
Ralf

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Gast



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PM an Gast

Malossi Multivar 2000 in Berverly 400 HPE einbauen

Erstellt am 02.08.22 01:54
Modifiziert am 05.8.22 19:10




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